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Winterwandern am Sonnenberg
Ockergelb, blassbraun, dunkelgrün, schiefergrau … und ein bisschen schneeweiß – Rendezvous mit den Jahreszeiten
Aus „venusta“ 07, Text: Karin Thöni Heinisch

Nur die eintönige Wiederholung der Apfelplantagen sticht mir etwas ungut ins Auge, wo ich doch aus dem Obervinschgau die kleinstrukturierten Wiesen und Äcker gewohnt bin. Kleine Wanderwege schlingen sich durch die braungelben Hänge, einzelne alte Waale kreuzen meinen Weg. Auch aufgelassene Höfe, ja Ruinen, säumen ab und an die Wege. Denn waren die Höfe nicht ans Bewässerungssystem angeschlossen, mussten die Bauern früher
oder später ihre Heimat verlassen. Von den großen Gebirgsgruppen des Vinschgaus eingerandet, muss der Sonnenberg, der von Mals bis nach Partschins reicht, mit 550 mm Niederschlag im Jahr auskommen. 50 Grad Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht sind keine Seltenheit. Die Natur hat sich daran meisterhaft angepasst. 

An den Hängen wurden Ziegen und Schafe in großen Herden gehalten. Die Vegetation litt darunter sehr, ganze Baumstreifen wurden kahl gefressen und waren so starkem Regen und Muren schutzlos ausgeliefert. Der Boden wurde immer karger. Aber so gedeihen Pflanzen aus dem zentralasiatischen und mediterranen Raum. Irgendwie derartig muss die Steppe ausschauen, denke ich und tauche ein in diese andere Welt. Karg. Verhalten. Und doch virtuos.

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Robinien, Flaumeichen, Kastanien, Eschen, Berberitzen-, Sanddorn- und Wacholdersträucher ... gedeihen auf dem ausgewaschenen Boden. Stehen oft einsam im hohen Gras. Der Südbalkon des Vinschgaus ist eigen und bizarr. Und schön. Besonders schön an einem sonnigen Wintertag, bemerke ich. Vis à vis, an der Nordseite, leuchtet der schneebedeckte Wald. Alpin und kalt. Und hier braucht’s nicht mal zwingend eine Winterjacke. 

Manche Stellen des Sonnenbergs weisen Spuren von vorrömischer Besiedelung auf, Ganglegg ob Schluderns oder St. Georg ob Kortsch zum Beispiel. Die Behauptung, dass die Bäume des Sonnenbergs von den Römern zum Bau Venedigs gefällt wurden, hielt sich bis in die jüngste Vergangenheit hartnäckig. Auch mir wurde als Kind noch diese Version erzählt. Und die Vorstellung, dass Venedigs Prachtpalazzi auf Vinschger Holzstämmen in der Adria stehen, hat seinen Reiz. Doch heute wird dies bezweifelt: Die Etsch im Tal unten war nicht flößbar, die Stämme konnten also gar nicht transportiert werden. Grund für die Zerstörung des Baumbestands war einfach Brandrodung und Verbiss durch Schafe und Ziegen.

Sei’s drum! Klar ist die Luft, die Sicht, scharf die Konturen der Berge, lieblich die Farben um mir: gelb, braun, ocker, grün, grau, senffarben. Historie, Flora, Landschaft – alles webt sich hier zu einem besonderen Miteinander. 
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